Der zweifellos wichtigste Bahnhof der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz ist der Mainzer Hauptbahnhof. Am Rand der Neustadt gelegen, wird er täglich von etwa 80 000 Fahrgästen und Besuchern genutzt. Er wurde in den Jahren zwischen 1882 und 1884 im Rahmen einer Stadterweiterung gebaut. Als Baumaterial für das Haupt- und Empfangsgebäude wurde heller Flonheimer Sandstein verwendet. Der Baustil lehnte sich an die italienische Neorenaissance an und beinhaltet klassizistische und barocke Elemente. Zwei niedrigere Seitenflügel rahmen den markanten Mittelbau ein. Im Oktober 1884 wurde das Gebäude feierlich eröffnet.

Der Architekt Berdelle setzte einen Schwerpunkt auf bildhafte Ausschmückungen am zentralen Eingangsbau. Diese allegorischen Ausschmückungen wiesen auf die Funktionalität des Gebäudes hin. Zwei künstlerisch äußerst gelungene Reliefs stellten sowohl die Abfahrt als auch die Ankunft von Reisenden in emotional berührender Weise dar. Die drei Türen des Haupteinganges wurden von Figuren und Wappen gekrönt.

Der ursprüngliche Bahnhofsvorplatz wurde durch ein mit Rasen, Bäumen und Blumen begrüntes Rondell dominiert. Die damalige Bahnhofshalle war die längste Europas. Ihre Länge betrug 300 m und sie war 47 m breit. Das Dach war eine Konstruktion aus Schmiede- und Gusseisen sowie Wellblech und Glas. Im oberen Bereich hatte es einen zur Seite offenen Aufsatz, um den Abzug der Rauchgase und des Wasserdampfes zu gewährleisten.

Der erste Umbau ging in der zweiten Hälfte der 30 er Jahre des vergangenen Jahrhunderts vonstatten. Danach war die Halle nur noch knapp 150 m lang. Die Mainzer sollten jedoch nicht lange Freude an den baulichen Verbesserungen haben, denn durch Bombenangriffe Ende des 2. Weltkrieges wurde der Bahnhof schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Noch zwei Mal wurde der Bahnhof danach umgebaut. Nach dem Krieg war ein Neuaufbau ohnehin notwendig und in der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts wurde der Regionalverkehr mit einem zusätzlichen Bahnsteig in den Bahnhofsbetrieb eingebunden. Gleichzeitig wurde die Hauptfassade renoviert und die künstlerisch wertvollen Elemente des ursprünglichen Baus so weit wie möglich restauriert oder neu geschaffen.